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Blutgerinnung | Laborwerte

Blutgerinnung | Laborwerte

Blutgerinnung | Laborwerte

Wenn wir uns leicht verletzten, fließt zwar Blut, aber die Blutung hört – abhängig von der Schwere der Verletzung – meist auch bald wieder auf. Verantwortlich dafür ist die Blutgerinnung – sie bewahrt gesunde Menschen bei Verletzungen vor hohen Blutverlusten. Ohne die lebenswichtige Schutzfunktion des Körpers würden selbst kleinste Verletzungen zum Verbluten führen. Die Laborwerte zur Gerinnungsdiagnostik sind unerlässlich bei der Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten (z.B. bei Durchblutungsstörungen) aber auch vor Operationen.



Blutgerinnung, auch Blutstillung, Hämostase und Koagulation genannt, hat zum Ziel, den Stillstand einer Blutung zu bewirken. Vereinfacht dargestellt läuft dieser Vorgang so ab: die Blutgefäße verengen sich und die Blutplättchen – auch Thrombozyten genannt – bilden eine Art Pfropf um die verletzten Gefäße weiter abzudichten. Gleichzeitig geben die Thrombozyten Botenstoffe ab, die weitere Gerinnungsfaktoren in Gang setzen.


Thrombozyten

Thrombozyten (Blutblättchen) gehören zu den festen Bestandteilen des Blutes und werden im Knochenmark gebildet. Sie sind scheibenförmig, klein und ohne Kern und zirkulieren etwa zehn Tage im Blut. Bei kleineren Verletzungen lagern sich die Thrombozyten an der Wundrändern an und bilden binnen Minuten einen Propf.

Bei der Zirkulation im Blut nehmen sie kleine Partikel auf – sie ‚phagozytieren‘, was bedeutet, dass sie Fremdstoffe, Mikroorganismen, Gewebetrümmer und ähnliches aufnehmen und durch die in ihnen enthaltenen Enzyme auflösen.

Die Thrombozyten werden zum Teil in der Milz gespeichert, und dort, sowie in der Leber wieder abgebaut. Messbar sind Thrombozyten im Blut, die Referzwerte für Erwachsene liegen bei 140-360 nl.


Gerinnungsstörungen

Der gestörte Ablauf der Blutgerinnung wird als Gerinnungsstörung bezeichnet. Blutgerinnungsstörungen sind gefährlich: eine erhöhte Blutungsneigung birgt im Verletzungsfall die Gefahr eines hohen Blutverlustes, eine verstärkte Gerinnungsneigung wiederum kann zu Gefäßverstopfungen (Embolien) und zur Verschleppung von Blutgerinnseln (Thrombosen) führen. Die Ursachen für einer erhöhten Blutgerinnung und damit einer gesteigerten Thromboseneigung können angeboren oder erworben sein.

Als häufige Ursachen einer gestörten Blutgerinnung gelten:

Thrombozytopenie: Eine Verminderungen der lebenswichtigen Thrombozyten kann die Folge eines starken Blutverlustes oder einer vergrößerten Milz, die die Blutplättchen ja teilweise speichert, sein. Auch starker Alkoholkonsum und Autoimmunerkrankungen können zu einer Verminderung der Blutplättchen führen.

Thrombozytose: Eine erhöhte Anzahl Thrombozyten, auch Thrombozytose genannt, haben Menschen nach Infektionskrankheiten, bei chronischen Infekten oder als Nachwirkung nach Entfernung der Milz.

Thrombozytenwerte außerhalb der Norm gibt es auch bei Bildungsstörungen im Knochenmark, z.B. Blutkrebs, oder Knochenmarksschäden durch Gifte, bzw. Medikamentenüberdosierung oder Strahlen.

Ob eine Gerinnungsstörung vorliegt kann mittels eingehender Anamnese und Abnahme des Gerinnungsstatus im Rahmen einer labormedizinischen Blutuntersuchung nachgewiesen werden.


Überprüfung der Blutgerinnung

Vor (Routine-) Operationen gehört eine Überprüfung der Blutgerinnung zum Standardprogramm. Einerseits wird die Blutungsneigung überprüft, andererseits gecheckt, ob eine Therapie mit gerinnungehemmenden Medikamenten begleitend angebracht ist. Auch bei Verdacht auf Blutgerinnungsstörungen und Lebererkrankungen wird eine Untersuchung der Blutgerinnung empfohlen.

Beim sogenannten Quick-Test, oder auch Thromboplastinzeit (TPZ)-Test wird die Zeit bis zum Eintritt der Blutgerinnung erfasst. Dieser Quickwert wird aber nicht in Sekunden, sondern in Prozent der Gerinnungszeit von Normalblut angegeben. Um die Vergleichbarkeit dieser doch recht ungenauen Angabe zu erhöhen, hat die WHO die International Normalized Ratio (INR) entwickelt.

Die partielle Thromboplastinzeit (PTT, oder aktivierte partielle Thromboplatinzeit = aPTT) überprüft in der Leber gebildete Gerinnungsfaktoren und wird zur Überwachung bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten erhoben.

Die Plasmathrombinzeit (PTZ) gibt Aufschluss über die Bildung und Zusammensetzung des Eiweißstoffs Fibrin und dient vor allem der Überwachung bei Auflösung eines Blutgerinnsels, also z,B. bei einem Herzinfarkt.

Der Gerinnungsfaktor Fibrinogen wird im Knochenmark und in der Leber gebildet. Eine anormale Fibrinogenkonzentration weist auf chronische Entzündungen hin; eine zu hohe Konzentration von Fibrinogen gilt als Risikofaktor für arterielle Verschlusserkrankungen.

Antithrombin, kurz AT oder AT III genannt, ist ein Protein, das hemmend auf die Blutgerinnung wirkt. Ein andere ältere Bezeichnung für den Eiweißstoff ist auch noch Heparin-Kofaktor I.


Referenzwerte

  • Thrombozyten: 140-360/nl
  • Quick-Test bzw. TPZ-Test: 70-120% der Norm
  • INR: 1,5-4,5
  • PTT: ohne Medikamente bis 38 Sekunden, bei Heparin Therapie 60-80 Sekunden
  • PTZ: 14-20 Sekunden
  • Fibrinogen 160 – 400 mg/dl
  • AT III: Aktivität 75-125% (der Norm), Konzentration 0,15-0.39 g/l

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Quelle:

gesundheit.gv.at: Prothrombinzeit (PTZ, PZ, PT)

[abo]

Linktipps-Blutgerinnung

– Blutgerinnung – Medizinlexikon
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte
– Thrombose
– Milz – Medizinlexikon
– Gesundenuntersuchung

Zur Information: Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!