Bier und Gesundheit

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Bier und Gesundheit

Scheinbar freudige Nachricht für alle Bierliebhaber: Bier löscht nicht nur den Durst – Bier ist auch gesund. So hilft maßvoller Biergenuss zum Beispiel, das Diabetes-Risiko zu vermindern – das stellte Prof. Dr. Ivo de Leeuw beim “21. Internationalen Symposium Diabetes und Ernährung” fest. Das war allerdings im Jahr 2003, wie ist der Stand der Wissenschaft in dieser Angelegenheit heute? Wir von gesund.co.at engagieren uns für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und informieren über Vorteile und Risken beim Bierkonsum.


Bier ist erfrischend und in Maßen genossen gesund. Es enthält eine Fülle wertvoller Inhaltsstoffe: Die Mineralstoffe Magnesium und Kalium benötigt der Körper, damit Muskeln und Nerven richtig funktionieren. Bereits ein Liter deckt fast die Hälfte des Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Magnesium. Die im Bier enthaltenen B-Vitamine sind wichtig für reine Haut und schönes Haar, aber auch für den gesamten Stoffwechsel, für Nerven, Immunsystem, Blutbildung und das Sehvermögen. Als Fitmacher wirken die Kohlehydrate im Bier: Sie sind leicht verdaulich und liefern dem Körper schnell verfügbare Energie.

Bier ist darüber hinaus der Silizium-Lieferant schlechthin und hilft dadurch mit, die Knochendichte zu erhöhen. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls Forscher der University of California, Davis in der Zeitschrift Journal of the Science of Food and Agriculture im Jahr 2010. Verantwortlich dafür dürfte einerseits die Hülle des Gerstenkorns, andererseits der Hopfen sein. Je mehr Hopfen und gemälzte Gerste Bier enthält, desto besser dürfte es laut Ansicht der Wissenschaftler vor dem Knochenabbau schützen. In moderater Weise konsumiert dürfte Bier also einen gewissen Schutz vor der Knochenkrankheit Osteoporose bieten.

Bier im Diätplan

Biergenuß kann Diäten bereichern, allerdings sollte man sich in Problemfällen mit seinem Arzt absprechen. Bier ist, wie schon erwähnt, streng natriumarm, relativ proteinarm und frei von Fett und Cholesterin. Diätbier ist zudem kohlenhydratarm.

Zielgruppen hierfür sind Personen, die natrium-, protein-, fett- und cholesterinärmere Kostformen einhalten sollen. Dies trifft u.a. für Menschen zu, die zu erhöhtem Blutdruck und zu erhöhtem Blutfett neigen, denen aber ein maßvoller Alkoholkonsum erlaubt ist. Sollte aber auch der Alkoholverzehr eingeschränkt oder ganz gemieden werden, ist Leichtbier bzw. alkoholfreies Bier angezeigt. Der feinherbe, würzige und vollmundige Geschmack des Bieres kann die Eintönigkeit mancher Diäten ausgleichen.

Allerdings: Alkohol weist einen hohen Energiegehalt auf. Mit etwa sieben Kilokalorien pro Gramm liege er in der Nähe von Fett (neun Kilokalorien pro Gramm). Alkoholfreies Bier hat in dieser Hinsicht zwei Vorteile: Erstens enthält es keinen Alkohol, zweitens wird beim Brauen Hopfenextrakt nach dem Kochen zugesetzt. Dadurch behalten temperaturempfindliche Stoffe ihre Wirkung.

Biertrinken & Lebenserwartung

In mehreren Langzeituntersuchungen wurden die Zusammenhänge zwischen “Ernährung, Lebensgewohnheiten und Gesundheit” erforscht. Als eines von vielen Ergebnissen zeigte sich immer wieder, da maßvoller Alkoholverzehr der Gesundheit nicht nur nicht abträglich war, sondern im Gegenteil, dass maßvolle Alkoholkonsumenten eine längere Lebenserwartung hatten als Alkoholabstinente und exzessiv oder übermäßig Alkohol Trinkende.

Dieses günstige Bild ist insbesondere darauf zurückzuführen, da die maßvollen Alkoholtrinker deutlich weniger Herzinfarkte hatten. Heute lassen sich diese epidemiologischen Befunde auch physiologisch-biochemisch deuten. Maßvoller Verzehr erhöht nämlich das High-Density-Lipoprotein-Cholesterin, das als gefäßschützend gilt, da es Ablagerungen an den Gefäßwänden zu verzögern vermag. Andere Ergebnisse zeigten, da kleine Alkoholmengen der Bildung von Blutgerinnseln und Bluttropfen entgegenwirken und zu einem deutlich geringeren Verschlußgrad der koronaren Arterien führten. Die insgesamt bessere Durchblutung der Herzkranzgefäße kann somit die Schutzwirkung des maßvollen Alkoholverzehrs vor Herzkrankheiten erklären.

Biergenuss & Krebsrisiko

Hin und wieder wird in den Medien behauptet, dass Bierkonsum Krebs auslösen könne. Dazu ist nach bisherigen Erkenntnissen festzuhalten, dass weder der Alkohol im Bier noch die alkoholischen Begleitstoffe oder die übrigen bisher bekannten Substanzen des Bieres – vernünftigen Genuß vorausgesetzt – kanzerogen sind.

Im Rahmen einer Studie über die Todesursachen Dubliner Brauereiarbeiter wurden von 1954 bis 1973 unter anderem auch die Todesfälle durch Krebs erfaßt. Man wählte bewußt Brauerei- arbeiter aus, da diese im Durchschnitt wesentlich größere Biermengen tranken als die übrige Bevölkerung. Als Endergebnis wurde festgestellt, da die Lebenserwartung der Dubliner Brauereiarbeiter zumindest gleich hoch, ja sogar etwas höher war als die der vergleichbaren Gruppe.

In einer Studie über die Krebserkrankungen und Todesursachen dänischer Brauereiarbeiter wurden 14.313 männliche Brauer untersucht, und zwar von 1939 bis 1963. Der Bierkonsum der Brauer war viermal höher als der der vergleichbaren Gruppe, wobei der errechnete tägliche Alkoholverzehr im Durchschnitt 77,7g betrug. In dieser Langzeit-Untersuchung (24 Jahre!) wurde festgestellt, da der Biergenuß der dänischen Brauereiarbeiter zu keiner erhöhten Krebshäufigkeit und Gesamtsterblichkeit führte. Neue Untersuchungen bestätigen diese Erkenntnisse.

Bier & Stress

Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keinen Zweifel: Maßvoller Biergenuß baut Übererregbarkeiten ab und wirkt spannungslösend. Für die “streßabbauende” Wirkung sind u.a. die Persönlichkeit und das Geschlecht des Alkoholkonsumenten, dann die Konsummenge, der Stimmungszustand und die äußeren Bedingungen beim Genuß von Bedeutung. Ganz entscheidend ist auch die erwartete Wirkung, die beim Konsum eines alkoholhaltigen Getränkes besteht. In wissenschaftlichen Untersuchungen wird deshalb zwischen der eigentlichen physiologischen Wirkung und der kognitiven Wirkung (= Erwartungswirkung) des Alkohols unterschieden.

Was das Bier betrifft, wirken Alkohol und Hopfenbitterstoffe auf den Körper beruhigend ein. Allerdings ist die Wirkung vieler Substanzen nur nachzuweisen, wenn Hopfenextrakt verwendet wird. Durch den Brauprozess in industriell gefertigten Massenbieren – insbesondere die lange Kochung – büßen viele Inhaltsstoffe ihre gesundheitsfördernde Wirkung ein.

Im August 2015 hat das Landgericht Ravensburg in Deutschland entschieden, dass Bier nicht als “bekömmlich” beworben werden darf. Eine solche Werbung verstoße gegen eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft, die gesundheitsbezogene Angaben zu Bier verbiete, hieß es zur Begründung.

Der Verdacht scheint – zumindest derzeit – bestätigt: alkoholisches Bier ist und bleibt ein Genussmittel, genießen Sie es also in Maßen und erwarten sie keine Wunderheilung.

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Linktipps

– Alkohol im Alltag – Lust oder Last?
– Funktionale Getränke
– Rezept: Überbackenes Braumeisterbrot
– Bier & Gesundheit
– Gerichtsurteil: Bier darf nicht als “bekömmlich” beworben werden (spiegel.de)

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