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Aufklärung – ein Leitfaden für die Eltern

Aufklärung – ein Leitfaden für die Eltern

Aufklärung - ein Leitfaden für die Eltern

Es ist schon erstaunlich, wie schwer sich Erwachsene dabei tun, ihre Sprösslinge auf die „schönste Sache der Welt“ vorzubereiten. Dabei kann unterlassene oder fehlerhafte Aufklärung wahrlich großen Schaden anrichten.



Spätestens wenn ein Geschwisterchen im Anmarsch ist, sind Fragen zu Sexualität, Fortpflanzung und zum Verlauf der Schwangerschaft topaktuell. Aber auch Kindergarten, Schule und Fernsehen regen zur großen Fragestunde an. Mit dem Begriff „Aufklärung“ geht man heute im Allgemeinen schon recht locker um, und das ist laut Meinung von Kinderpsychologen auch gut so. Da wird nicht mehr der Storch oder die vielzitierten Bienchen bemüht, wenn der Nachwuchs die ersten Fragen zum Thema Kinderkriegen stellt. Doch auch wenn das Thema Sexualität in den letzten Jahrzehnten zunehmend enttabuisiert wurde, tun sich nicht alle Eltern leicht mit der Aufklärung der eigenen Sprösslinge.

Eltern: Nicht aller Anfang ist schwer

Hemmungen Unsicherheiten, die Frage nach der richtigen Wortwahl — all das kann Mama oder Papa ganz gehörig ins Schwitzen bringen. Vor allem dann, wenn Kinder unverhofft auf das Thema Sexualität zu sprechen kommen und mitten im Supermarkt oder in der U-Bahn ganz unverblümt die Frage „Mama, was heißt bumsen“, oder „Wieso haben Buben einen Penis und Mädchen nicht“, stellen. Da kann guter Rat schon teuer sein, denn die Kleinen bleiben hartnäckig.

Stehen Sie Ihrem Kind immer Rede und Antwort ! Der einfachste Weg ist in diesem Fall der Beste. Erwachsene sollten – auch in prekären Situationen – vor allem ehrlich sein, selbst wenn sie unsicher sind oder die passende Antwort nicht „parat“ haben. Sie müssen ja nicht gleich in „coram publicum“ den Aufklärungsunterricht starten. Machen Sie indessen den Vorschlag, zu Hause in Ruhe darüber zu reden. Aber sagen Sie nie „ Dafür bist du noch zu klein“, denn mit solchen Hinweisen lassen Sie Ihr Kind mit wichtigen Fragen allein.

Verwenden Sie aber auf alle Fälle Ausdrücke, die dem Vokabular des Kindes angepasst sind. Ansonsten katapultieren Sie sich in ein Fragenmeer und Ihr Kind versteht überhaupt nichts mehr. Kinder erwarten auf ihre Fragen keine langen Vorträge. Sie wollen etwas erfahren, was sie persönlich oder ihre Eltern betrifft. Deshalb muss man ihnen auch nicht alles ausführlich erklären, so der Rat erfahrener Psychologen. Wichtig ist das gegenseitige Vertrauen. Eltern, die sich vor Fragen, wie Sex, Religion, Rassen oder Drogen drücken, machen es ihren Kindern nicht nur schwerer, solche Themen anzusprechen, Sie erziehen Ihre Kinder so unbewusst zur Heimlichtuerei. Gehen Mama und Papa hingegen offen und frei auf kritische Fragen ein, stärken sie auch das Selbstbewusstsein beim Nachwuchs. Aufgeklärte Kinder halten Sex und Liebe für eine ganz normale Sache, die einfach zum Leben dazu gehört. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass vernünftige Sexualaufklärung keinesfalls zu unverantwortlichem Verhalten anregt, sondern genau das Gegenteil bewirkt.

Aber, Achtung: Am häufigsten begehen Eltern den Fehler, dass sie Sohn oder Tochter bei der ersten Gelegenheit geradezu zwangsbeglücken und mit Erklärungen zuschütten, von denen der Sprössling oft noch gar nicht wissen will, und sie damit eher verwirren als aufklären. Weit günstiger als eine umfassende Lektion ist die Strategie der kleinen Schritte. Dabei wird gerade so viel Information vermittelt wie nötig.

Schritt für Schritt

Bis es in die Schule kommt, sollte jedes Kind wissen, wie die Geschlechtsorgane von Männern und Frauen aussehen, woher die Kinder kommen und wie sie gezeugt werden. Denn unter Grundschülern sind diese Dinge oft schon Thema, und ein Kind, das nicht aufgeklärt ist, wird unnötig verunsichert und manchmal verspottet. Wenn ihr Kind bis dahin noch keine Fragen zur Sexualität gestellt hat, und das kommt nicht so selten vor, sollten Eltern das Thema von sich aus anstoßen – freilich, ohne zu drängen.

Am besten reden Eltern so, wie es ihnen am besten über die Lippen geht. Natürlich sollten Kinder die korrekten Bezeichnungen wie Penis und Vagina kennen, aber wer das als gestelzt empfindet, kann Spatz, Pimmel und Muschi sagen. Hauptsache, die Erwachsenen verfallen nicht in einen völlig unnatürlichen Ton. Das würde nur Distanz schaffen. Wer sonst nur Dialekt spricht, braucht bei diesem Thema nicht plötzlich anzufangen, Hochdeutsch zu reden.

Man sollte Aufklärung nicht als reine Wissensvermittlung betrachten. Auch das, was von den Eltern vorgelebt wird, wirkt aufklärend und legt ein Fundament für das spätere Verhalten dem eigenen Körper und dem anderen Geschlecht gegenüber.

Nicht vergessen …

Von der ersten Stunde an sind Kinder sexuelle Wesen. Schon als Babys sammeln sie mehr oder weniger angenehme körperliche Erfahrungen. Sie genießen die Wärme der Mutterbrust, spielen oft schon mit wenigen Monaten an ihren Genitalien und können dabei durchaus lustvolle Gefühle empfinden.

Eine gute Sexualerziehung beginnt schon lange bevor sich Mädchen und Buben für den Unterschied zwischen Mann und Frau interessieren und die Eltern ihr Kind eigentlich „aufklären“ können. Jeder innige Blick, jede zarte Berührung, jedes tröstende Wort ist Sexualerziehung. Alles, was einem Kind das Gefühl von Vertrauen, Geborgenheit und Verläßlichkeit gibt, ist im weitesten Sinn Sexualerziehung. Es sind die vielen kleinen Alltagssituationen von Anerkennung und Zuwendung, die Kindern helfen, ihre jeweilige Geschlechtsrolle zu üben und zu erfahren, dass es schön ist, einmal eine Frau bzw. ein Mann zu werden. Sie müssen erfahren, dass ihr Körper und ihre Empfindungen respektiert werden. Dass sie ihren Körper frei von schiefen Blicken oder Verboten entdecken dürfen. Dass Lust nichts Schlechtes ist, sondern etwas, das das Leben schöner macht.

Es kommt nicht so sehr darauf an, dass Eltern möglichst früh die korrekte Bezeichnung für die Genitalorgane erklären. Wichtiger ist eine vertrauensvolle Beziehung, in der sich das Kind sicher und geborgen fühlt. Was es in den ersten Jahren in der Familie erlebt, was es jetzt bekommt oder vermisst, wird in späteren Liebesbeziehungen und damit auch in der Sexualität wieder an die Oberfläche gespült.

Was Eltern also tun können: sich mit Kommentaren möglichst zurückzuhalten, die Intimität des Kindes respektieren (zum Beispiel bei Doktorspielen oder bei der Selbstbefriedigung), ebenso plötzliche Schamgefühle von Zehnjährigen, die den Eltern vielleicht übertrieben vorkommen. Apropos: Doktorspiele sind ganz normal und kein Grund, sich Sorgen zu machen. In aller Regel geschehen sie in gegenseitigem Einverständnis und nur unter Kindern, die sich mögen. Sie wissen durchaus, dass sie etwas tun, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, und ziehen sich bei den Doktorspielen meist in einen Raum oder eine Ecke zurück, wo sie ihre Ruhe haben. Manchmal ziehen sich die Kinder dabei nackt aus und betasten einander, manchmal reicht es schon, einen kurzen Blick auf das Geheimnis des anderen zu erhaschen.

Verhütung – gewusst wie

Selbstverständlich ist es enorm wichtig Heranwachsende auch die biologischen Aspekte der Sexualität darzulegen. Begriffe wie Monatszyklus, Empfängnis, Schwangerschaft, sie sind für Buben und Mädchen gleichermaßen wichtig um Sexualität als Ganzes verstehen zu lernen. Dazu gehört natürlich das Wissen um die Möglichkeiten der Verhütung, sowie den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Geschlechtskrankheiten.

Sicher, Verhütung ist heutzutage viel einfacher als vor 30 Jahren. Kondome gibt es schließlich fast überall. Und trotzdem, für viele bleibt es eine heikle, komplizierte oder peinliche Angelegenheit darüber zu reden. Verhütung hat viel mit Vernunft, Wissen und bewusstem Verhalten zu tun. Bei Sex spielen Gefühle mit, Lust und Leidenschaft, Scham und Angst. Meist hat mann und frau gute Vorsätze und ist dann irgendwie nicht in der Lage diese einzuhalten, das ist ein Problem. Aber mann und frau kann ja vorsorgen, indem man sich vorher informiert: über Fruchtbarkeit, Verhütungsmittel und -methoden.

Sowohl Mädchen als auch Buben können ab dem 10. Lebensjahr behutsam auf diesen Themenbereich aufmerksam gemacht werden. Die Auswahl an Möglichkeiten der Empfängnisverhütung und die jeweiligen Vor- und Nachteile sollten dabei erörtert werden.

Linktipps:

– Sexualität & Pubertät
– Die Pubertät – was ist normal, wann ist ärztlicher Rat gefragt?
– Erziehung & Pubertät
– Pornos zur Aufklärung von Jugendlichen
– Aufklärung – wie erkläre ich „es“ meinem Kind?
– Wie kommt ein Baby in den Bauch