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Antibabypille – Risiken und Nebenwirkungen der Pille

Antibabypille – Risiken und Nebenwirkungen der Pille

Antibabypille - Nebenwirkungen

Die Pille – kaum ein Medikament hat die Welt wohl so verändert wie die Anti-Baby-Pille! Die Zulassung des hormonhältigen Pillenpräparates zur Empfängnisverhütung glich einer gesellschaftspolitische Revolution, endlich konnten Frauen selbst bestimmen ob und wann sie Kinder bekommen wollen. Mittlerweile ist das Angebot an Präparaten riesig und die Wirkstoffe vielfältig, doch die Pille greift immer in das hormonelle Gefüge der Frau ein. Richtig dosiert und korrekt verwendet gilt sie als eine der sichersten Verhütungsmethoden, doch ganz nebenwirkungsfrei ist sie nicht. Ein Überblick über Risiken und Nebenwirkungen der Pille.



Depressionen, Thrombosen, Gehirntumor, Migräne, schwindende Libido, Gewichtszunahme… die Palette möglicher Nebenwirkungen des beliebtesten Verhütungsmittels ist vielfältig. Immer wieder bestätigen Studien, dass die Pille – so praktisch sie ist – durch ihre hormonelle Einflussnahme auf den sensiblen weiblichen Körper Auswirkungen hat, die entweder nicht gewünscht oder im schlimmeren Fall sogar gesundheitsschädlich sein können. Für und Wider sollten also abgewogen werden, Panikmache ist aber fehl am Platz!


Aufklärung!

Antibabypillen sind meist Kombinationspräparate, die Östrogen und Gestagen enthalten – oder wie die sogenannten ‚Minipillen‘ nur Gestagen. Die neueste Entwicklung sind Pillen mit natürlichen Östrogenen, die weniger stark auf die Blutgerinnung einwirken. Und Hormonpräparate sind nicht nebenwirkungsfrei!

Mit rund 65 Prozent Marktanteil ist die Pille nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel; die Anzahl der Frauen, die mit der Pille verhüten, geht aber kontinuierlich zurück. Nicht zuletzt sind die immer wieder in den Mittelpunkt des Medieninteresses rückenden Nebenwirkungen dafür mitverantwortlich: Thrombosen, Lungenembolie, Herzinfarkt, Hirninfarkt – in regelmäßigen Abständen liest und hört man von tragischen Erkrankungs- oder sogar Todesfällen in Zusammenhang mit der Einnahme der Pille.

Und ja, solche Fälle gibt es – aber sie sind extrem selten und liegen im Promillebereich. Von 100.000 Frauen erleiden z.B. im Schnitt drei einen durch die Pille verursachten Herzinfarkt; acht von 10.000 bekommen eine Thrombose.

Gerade für junge Mädchen ist die Pille das praktischste Verhütungsmittel – und daher auch das beliebteste. Woran es aber nach wie vor häufig mangelt, ist entsprechende Aufklärung – auch und gerade über mögliche Risiken.

Bereits ganz junge Patientinnen sollten anlässlich der ersten Verschreibung unbedingt auch über mögliche Nebenwirkungen und entsprechende Symptome informiert werden. Tatsache ist jedoch, dass die wenigsten Frauen Bescheid wissen.

Schwellungen in den Beinen, ungewöhnliche Atemnot, ungewohnte Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Libido- bzw. allgemeiner Antriebsverlust können Begleiterscheinungen bei Verhütung mit der Pille sein. Patientinnen haben ein Recht darauf, das von ihrem Arzt zu erfahren – und die Ärzte haben die Pflicht zu informieren!

Sollte Sie Ihr Arzt von sich aus nicht aufklären – fragen Sie nach! Oder recherchieren Sie selbst. Entsprechende Studien und Informationsblätter gibt es im Internet zuhauf – wir möchten nur die Studie der Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie den Pillenreport der deutschen Techniker-Krankenkasse erwähnen.


Anti Baby Pille und Depression

Eine aktuelle Studie der Universität Kopenhagen hat erneut bestätigt: zwischen der Einnahme der Pille und dem Auftreten von Depressionen gibt es einen Zusammenhang. Die Langzeitstudie, an der eine Million Frauen über einen Zeitraum von 13 Jahren teilgenommen haben, kommt zu eindeutigen Ergebnissen: Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, steigt bei Einnahme der Pille.

Bisher ging man davon aus, dass der Anteil der Frauen, die durch die Pille Depressionen bekommen, bei unter fünf Prozent liegt. Die aktuelle Studie stellt einen viel stärkeren Zusammenhang fest: Frauen, die Pillen-Kombinationspräparate nahmen, hatten über den gesamten Zeitraum betrachtet ein um 23% höheres Risiko an Depressionen zu erkranken, als jene die keine hormonellen Verhütungsmittel verwendeten.

Gut zu wissen: natürlich steigern auch andere hormonelle Präparate wie etwa die Hormonspirale, der Verhütungsring oder das Verhütungspflaster das Risiko, an Depressionen zu erkranken – und zwar noch stärker als die Pille das tut!

Im Vergleich erkranken am öftesten junge Frauen an Depressionen im Zusammenhang mit der Pillen-einnahme: Teenager die die Pille nehmen, haben ein 80 Prozent höheres Risiko an Depressionen zu erkranken als ihre gleichaltrigen Freundinnen, die nicht hormonell verhüten.


Thromboserisiko bei hormoneller Verhütung

Tatsache ist, dass hormonelle Verhütungsmethoden die Gefahr für Blutgerinnsel erhöhen können. Aber: das Risiko, dass durch die Pille eine Thrombose entsteht, liegt im Promillebereich,; es ist aber doppelt so hoch als bei Frauen, die nicht hormonell verhüten.

Thrombosen verstopfen Venen und verursachen im schlimmsten Fall eine Lungenembolie. Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie kam zum Schluss, dass Präparate mit den Wirkstoffen Drospirenon, Desogestrel, Gestoden und Cyproteron das Thrombose-Risiko sogar um ein Vierfaches erhöhen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA kam zu ähnlichen Ergebnissen. Einig sind sich die Autoren beider Studien, dass die Gefahr einer Thrombose bei Einnahme der Pille absolut betrachtet aber noch immer sehr gering ist – nur zum Vergleich: in einer Schwangerschaft ist die Thrombose-Gefahr ganz ohne hormonelle Verhütung rund um das Zehnfache erhöht.

Allerdings: Risikofaktoren addieren sich nicht nur, sie multiziplieren sich zum Teil! Zusatzrisiken für Thrombose-Entstehung müssen daher unbedingt beachtet werden. Familiäre Veranlagung, Rauchen, Alkohol, Übergewicht, zu wenig Bewegung, höheres Alter – all das sind Risikofaktoren, die in einem offenen Arzt-Patient Gespräch abgeklärt werden müssen. Denn Risiken können sich überlagern – und dann kann die Gefahr exponentiell steigen.


Weitere Risiken

Neben Thrombose gehört auch Migräne zu möglichen negativen Nebenwirkungen der Pille. Und auch das kann wirklich gefährlich werden. Frauen, die an Migräne leiden und das Gefühl haben, dass sich das Leiden durch die Einnahme der Pille verschlimmert, sollten diese absetzen. Migräne erhöht bekanntlich das Risiko für Hirninfarkte – und eine Verstärkung des Risikos sollte man keinesfalls in Kauf nehmen.

Migräne, übrigens wie Depression auch, hat meist auch eine genetische Komponente, die durch die Einnahme der Pille verstärkt werden kann. Bei auftretenden Depressionen kann der Wechsel des Pillentyps helfen, bei Migräne allerdings nicht – hier sollte man überhaupt auf ein anderes Verhütungsmittel umsteigen.

Endlich wäre die Gefahr einer Schwangerschaft gebannt – nur, die Lust ist weg? Ein Phänomen, das häufig in Zusammenhang mit der Einnahme der Pille beobachtet wird. Ob sich die Libido verändert, hängt vom Typ des Gelbkörperhormons in der Pille ab. Libidoverlust bekommt man mit einem Präparatewechsel aber meist wieder weg.

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung – vor allem bei Einsatz von Medikamenten mit dem Geschlechtshormon Progesteron – und der Entstehung bestimmter Hirntumore, sogenannter Gliome, gibt. Frauen, die entsprechende Präparate zumindest fünf Jahre nahmen, hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko einen solchen Gehirntumor zu entwickeln, als Frauen, die dieses Hormon nicht über Verhütungsmittel zuführten.

Für andere hormonelle Verhütungsmethoden wie Pflaster und Dreimonatsspritze stellten die Forscher ebenfalls ein erhöhtes Gliome Risiko fest – dieses war jedoch niedriger als bei reinen Progesteron-Methoden. Aber auch hier gilt: Gliome sind sehr selten, sodass auch das erhöhte Risiko immer noch gering ist.

Fazit: Es gibt statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen Verhütung mit Pille und Erkrankungsmustern, Panikmache ist jedoch angesichts der absoluten Fallhäufigkeit nicht angebracht! Dennoch wollen wir alle Frauen ermutigen, mit ihrem Arzt ein ausführliches Gespräch über mögliche Risiken, Vorerkrankungen, genetische Dispositionen oder Wechselwirkungen zu führen.

Und zwar nicht nur angesichts der erstmaligen Verschreibung der Pille oder eines anderen hormonellen Verhütungsmittels, sondern am besten bei jedem Kontrollbesuch! Lebensstiländerungen auf der einen Seite, Gewöhnungseffekte und Symptome, die sich erst bei längerer Einnahme zeigen, sind zu thematisieren und gegebenenfalls sollte das Präparat gewechselt werden – oder ein nicht hormonelles Verhütungsmittel probiert werden!

Die gute Nachricht zum Schluss: die lange Zeit unter Frauen berüchtigte Gewichtszunahme tritt bei den heute gebräuchlichen Antibabypillen praktisch nicht mehr auf!

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Quellen:

¹ JAMA Network: Association of Hormonal Contraception With Depression
² British Journal of Clinical Pharmacology
³ British Medical Journal

Linktipps:

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