1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (8 Bewertungen, Durchschnitt: 3,75 Sterne von 5)
ADS / ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) | Krankheitslexikon

ADS / ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) | Krankheitslexikon

ADHS / ADS

Beim Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) mit/ohne Hyperaktivität handelt es sich um eine angeborene und vererbbare Impulssteuerungs- und Reizfilterschwäche bei normaler, häufig auch überdurchschnittlicher Intelligenz. Die aktuell im deutschen Sprachraum verwendete Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet ADHS, was Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung heißt und aus dem amerikanischen Attention Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD) übersetzt wurde. Die Bezeichnung soll deutlich machen, dass es sich primär um eine Aufmerksamkeitsstörung handelt und die Hyperaktivität je nach Ausprägung hinzukommen kann oder nicht.



ADS/ADHS – kein Phänomen nur aus der heutigen Zeit

Aufmerksamkeit – das ist das vorrangige Problem dieser Kinder. Oft werden in diesem Zusammenhang Figuren aus dem Struwwelpeter von Dr. Heinrich Hoffmann genannt. Literarisches Vorbild für ein aufmerksamkeitsgestörtes Kind wäre danach etwa der stets verträumte und der Realität entrückte Hans-Guck-in-die-Luft.

Die umgangssprachlich oft namensgebende Hyperaktivität, die gesteigerte motorische Unruhe gehört nicht in jedem Falle zum Krankheitsbild. Doch gibt es sie natürlich auch und sie fallen schneller ins Auge: Jene Kinder, bei denen zum Aufmerkamkeitsproblem noch die Hyperaktivität hinzukommt, anschaulich etwa verkörpert durch Heinrich Hoffmanns Zappel-Philipp oder gar den wilden Friederich, der bekanntlich ein arger Wüterich war, womit die für das Krankheitsbild ebenfalls kennzeichnende Impulsivität und im Falle des Friederich darüberhinaus eine Störung des Sozialverhaltens angesprochen ist, die häufig als Folgeproblematik einer hyperaktiven Störung auftritt, speziell wenn sie lange unerkannt geblieben ist.

Wer ist betroffen ?

Nicht alle Kinder mit ADS leiden auch an Hyperaktivität, besonders Kinder mit ADHS ohne Hyperaktivität werden selten diagnostiziert, weil sie weniger störend auffallen, als Kinder, die auch das Merkmal der Hyperaktivität aufweisen. Sie bleiben häufig ausgeschlossen, werden Schulversager, entwickeln ein schlechtes Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen. Mädchen sind von dieser Ausprägung häufiger betroffen als Buben, während es insgesamt mehr Buben mit Hyperaktivität gibt als Mädchen.

Woran erkennt man ADS / ADHS?

Die drei Kernsymptome von ADS/ADHS können durch folgende Verhaltensweisen und Merkmale zum Ausdruck kommen:

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit

  • leicht ablenkbar
  • wenig Ausdauer bei Arbeit und Spiel
  • fängt alles an, bringt nichts zu Ende
  • hat Schwierigkeiten, Anweisungen zu befolgen
  • viele Flüchtigkeitsfehler bei Schularbeiten
  • kann Hausaufgaben nicht in angemessener Zeit erledigen („tägliches Drama bei den Hausaufgaben“)
  • Probleme beim Organisieren von Aufgaben und Aktivitäten
  • oft vergesslich; verliert häufig Sachen, die für Aufgaben und Aktivitäten benötigt werden

Impulsivität

  • unvorhersehbares Verhalten, faßt einen Entschluss und führt ihn blitzschnell aus, ohne an die Folgen für sich und andere zu denken
  • platzt in der Klasse mit der Antwort heraus, bevor die Frage vollständig gestellt wurde; wartet beim Strecken nicht, bis es aufgerufen wird
  • platzt in das Spiel anderer Kinder hinein
  • mischt sich nachhaltig und störend in Erwachsenengespräche ein
  • ständiges Streben nach sofortiger Belohnung und sofortiger Bedürfnisbefriedigung
  • kann nicht warten, bis es an der Reihe ist
  • achtet nicht auf Gefahren für sich und andere
  • generelle Probleme bei der Steuerung des eigenen Verhaltens zu Hause und in der Schule
  • Probleme mit der situationsangepassten Selbstdarstellung

Hyperaktivität

  • zappelig, immer in Bewegung
  • kann nicht still sitzen, verlässt häufig den Platz
  • ruhelos, rennt ständig umher; exzessiver Kletterdrang; redet oft übermäßig viel
  • fällt beim Spielen mit anderen durch übermäßige Lautstärke auf

Die Auswirkungen des Verhaltens

Die sozialen Auswirkungen von ADS stellen für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Familien das größte Problem dar. In den prägendsten Jahren der Kindheit sind die Kinder oft ungerechtfertigter Kritik, Kränkungen, moralisierenden Vorwürfen und Bestrafungen ausgesetzt, weil ihr erzieherisches Umfeld aus Unwissen von vorsätzlichem Fehlverhalten, Dummheit und/oder Faulheit ausgeht.

Wie finde ich einen kompetenten Arzt für mein Kind, wenn der Verdacht auf ADS besteht ?

Das ist für Kinder mittlerweile schon relativ einfach zu bewerkstelligen. Wenn man es im Gegensatz zu der Suche nach einem Arzt sieht, der Erwachsene diagnostiziert und betreut. Aber auch bei Kindern muss ja erst mal ein Kinderarzt auf ADS aufmerksam machen, bzw. haben die Eltern einen Hinweis von Lehrern bekommen, und fragen dann ihren Kinderarzt. Und an dieser Stelle entscheidet sich oftmals, je nach dem, wie der Arzt über ADS informiert ist, ob ein Kind mit ADS auch erkannt wird.

Wenn der Verdacht besteht, sollte immer ein kompetenter Arzt hinzugezogen werden, der sich mit der Diagnostik, bzw. der Therapie bei ADS auskennt. Wenn dies nicht der betreuende Kinderarzt ist, dann kommt jetzt die Suche nach einem Spezialisten. Manche Kinderärzte wehren sich immer noch gegen diese Diagnose. Also sollte man, selbst wenn der Kinderarzt dies nicht für notwendig hält, man selber aber genügend Informationen gesammelt hat, die den Verdacht bestätigen, auf eigene Faust einen Spezialisten aufsuchen, um jeden Zweifel aus dem Weg zu räumen.

Wichtig ist hierbei aber, dass sich die Betroffenen Eltern selber informieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Über das Internet findet man schon eine Menge, aber auch hier gibt es unseriöse Darstellungen über ADS und die medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien. Was unwissende Eltern dann verunsichert, da ja auch weitläufig leider noch die Meinung verbreitet ist, Stimulanzien würden die Kinder nur ruhigstellen, zu angepassten Menschen unserer Leistungsgesellschaft machen. Es werden vermehrt alternative Methoden zur Behandlung von ADS angepriesen, wie z.B. Afa-Algen, deren Nutzen nicht nur unbelegbar ist, sondern sogar im Verdacht stehen, Schäden an der Leber zu verursachen.

Ist ADS eine Krankheit ?

ADS ist keine Krankheit, und ADS ist nicht gleich ADS. Es gibt nicht zwei Menschen mit ADS, die vollkommen deckungsgleich reagieren. Niemand wird bestreiten wollen, dass ADSer anders funktionieren und ihre Kräfte anders einteilen. Ihre Steuerung geht von anderen Anreizen aus, die vital und motivierend sein müssen, ansonsten sind sie schnell am Flüchten oder dem Umkehren der Situation interessiert. Sie hassen es, ohne starke Motive, Reize und Stimuli leisten zu sollen. Sie wollen freiwillig und selbständig sein.

ADS ist so unscharf definiert worden, dass vollkommen unterschiedliche Menschen davon erfaßt werden, die sich in keiner Weise ähneln müssen. Von zwei ADSern kann einer bestens funktionieren, der andere braucht Hilfestellung. Deswegen wollen wir uns an dieser Stelle hüten, eine ADS-Schablone anzufertigen, die dann nicht passen kann. Auch wenn dadurch die Begreifbarkeit des Syndroms wieder etwas in die Ferne rückt.

Weitere umfangreiche Informationen mit wissenschaftlichen Links und Verweisen zu Selbsthilfegruppen finden Sie bei nachfolgenden Linktipps.

Linktipps:

– Infos zum Thema „Hyperaktivität“
– ADHS die konstruierte Erkrankung? Gibt es ADHS wirklich?
– Medikamente: Infos über Arzneimittel als Kapseln, Pillen, Säfte, Spritzen
– Faulenzen – dürfen Kinder das?
– SMS (Smith-Magenis-Syndrom)
– Verein ADAPT (Österreich)
– ADS-Hyperaktivität