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Absinth: trendy Getränk mit Nebenwirkung?

Absinth: trendy Getränk mit Nebenwirkung?

Absinth - Die grüne Fee

Absinth – das legendäre alkoholische Getränk aus Wermut, Anis, Fenchel und Arnika – war einst die Künstlerdroge schlechthin. Viele Künstler tranken Absinth um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Viele Jahre war das Kultgetränk verboten, doch jetzt erlebt der leuchtend grüne, bittere Schnaps eine Renaissance, denn ihm wird die Erzeugung von besonderen Rauschzuständen zugeschrieben.



Auf den ersten Blick scheint das berechtigt, denn Wermut (Artemisia absinthium) enthält Thujon. Dieses starke Nervengift kann Halluzinationen und epileptische Krämpfe hervorrufen, allerdings wurde der Thujon-Gehalt in Absinthgetränken vom Gesetzgeber beschränkt und die aufgenommene Menge von Thujon reicht nun nicht mehr aus, um Halluzinationen oder Rauschzustände zu verursachen. Die grüne Farbe, die viele Absinthsorten aufweisen, war zwar dem Mythos förderlich, hat allerdings auf die sagenumwobene Wirkung keinen Einfluss – sie stammt vom Chlorophyll in Wermut, Ysop, Melisse und Minze. Harmlos sind Absinthgetränke dennoch nicht, denn sie weisen zum Teil einen sehr großen Alkoholgehalt von 45 bis über 80 Volumenprozent auf. Die „grüne Fee“ Absinth sollte daher nur sparsam genossen werden.

„Das erste Stadium ist wie normales Trinken, im zweiten fängt man an, ungeheuerliche, grausame Dinge zu sehen, aber wenn man es schafft, nicht aufzugeben, kommt man in das dritte Stadium, in dem man Dinge sieht, die man sehen möchte, wundervolle, sonderbare Dinge“, so beschrieb Oscar Wilde die Besonderheit des Absinths.

Die „grüne Fee“, ist ein Gebräu aus Anis und Wermut mit verschiedenen Kräutern versetzt. Zahlreiche Künstler, vor allem Pariser Bohemiens um 1900 wie Charles Baudelaire und Vincent van Gogh, hat der Absinth ins Schwärmen gebracht, die (fr. la fee verte) bezeichnete Spirituose vor allem deshalb, weil den grünschimmernden Bittergetränken durch ihren Gehalt an Thujon die Erzeugung besonderer Rauschzustände zugeschrieben werden, die durch den Genuss von Alkohol allein nicht zu erreichen seien. Die besonders berauschende Wirkung lag nicht allein am reichlich hohen Alkoholanteil von 50 Prozent und mehr, sondern vor allem am enthaltenen Nervengift Thujon.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Getränk verboten, ab 1923 auch in Deutschland. Die „grüne Hölle“, wie Alkoholgegner den Absinth nannten, machte nicht nur süchtig, sondern stand im Verdacht Selbstmorde auszulösen und wahnsinnig zu machen. Nach dem Ersten Weltkrieg waren zwar weltweit prohibitionistische Gesetze erlassen worden, doch Absinth blieb überall die einzige Spirituose, die ein spezielles Verbot traf, das auch nach Ende der Prohibition nicht wieder aufgehoben wurde. Die Franzosen brachten als Absinthersatz Pastis auf den Markt, einen Anisschnaps ohne Wermut.

Für die Folgeschäden des Absinth-Missbrauchs machen Wissenschaftler heute den hohen Anteil von unreinem Alkohol verantwortlich. Seit 1998 ist Absinth innerhalb der Europäischen Union wieder zugelassen, allerdings in entschärfter Form: Heute dürfen höchstens noch 10 Milligramm Thujon pro Liter Alkohol enthalten sein, nicht mehr bis zu 80 Milligramm, wie zu van Goghs Zeiten. Doch auch in kleinen Mengen soll er euphorisierend und stimulierend wirken, versprechen Kenner. Kein Wunder also, dass Absinth seit seiner Zulassung zum Modegetränk auf Partys und in Clubs avanciert ist.

Absinth, ist nun wieder zu einem Modegetränk geworden. Thujon ist natürlicherweise im Wermutkraut und dem daraus gewonnenen Wermutöl sowie in Beifuss und Salbei enthalten. Es ist ein starkes Nervengift, das Halluzinationen und epileptische Krämpfe hervorrufen sowie schwere psychische Schäden verursachen kann. Der Thujongehalt von Absinthgetränken ist deshalb gesetzlich beschränkt. Dass die gesetzlichen Höchstmengen in den heute am Markt befindlichen Absinthgetränken weitestgehend eingehalten werden, belegt eine Studie zur Thujonbelastung von Absinthkonsumenten. Eine Thujon-spezifische Gefährdung des Verbrauchers durch diese Produkte wird nicht erwartet. Wegen der zum Teil sehr hohen Alkoholgehalte rät das Institut dennoch zur Vorsicht beim Konsum.

Die Ergebnisse einer deutschen Studie zeigen, dass der größte Teil der untersuchten Spirituosen weniger als 10 mg/l Thujon enthält und den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Allerdings befanden sich unter den untersuchten Absinthgetränken auch drei Bitterspirituosen, die den gesetzlichen Höchstwert von 35 mg/l mit Gehalten von bis zu 44,9 mg/l Thujon deutlich überschreiten. Bei den in der Studie gemessenen Konzentrationen ist nicht zu erwarten, dass der Verbraucher gesundheitsschädigende Mengen an Thujon aufnimmt. Allerdings enthalten die Bitterspirituosen hohe Mengen an Alkohol. Deshalb, wie bei anderen hoch konzentrierten Spirituosen, von regelmäßigem Konsum größerer Mengen (mehr als ein Glas täglich) über längere Zeit abgeraten.

Die Fachwelt ist sich einig, dass es sich bei Absinth nicht einfach um ein hochprozentiges alkoholisches Getränk (meist 60 bis 70 Volumensprozent) handelt – was das Getränk gefährlicher macht, ist das Thujon. Erst gar nicht versucht, das Geschmackserlebnis hervorzuheben (der extrem bittere Geschmack dürfte nur wenige Liebhaber finden), sondern subtil auf die besondere Geschichte des Absinth und auf die Wirkung psychoaktiver Substanzen abgestellt, die Werbung: „Ich bin die Inspiration“ heißt es lapidar auf der Startseite eines deutschen Internet-Anbieters.

Linktipps:

– Absinth-Infos
– Omar – Absinth Bar & Lounge
– Risiko Sucht, Suchtrisiko
– Alkoholsucht
– Umfrage „Wieviel Alkohol trinken Sie?“
– Neueste Umfrage zeigt: Alkoholkonsum in Österreich stagniert auf hohem Niveau
– Sucht beginnt im Alltag, Prävention auch

Kave Atefie





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